Wir erleben den Advent

Schon Mitte November verändert sich der Eingangsbereich im Kath. Kindergarten St. Marien. Alles wird ein wenig grüner, stimmungsvoller und wenn man aufmerksam auf den Geruch achtet, kann man schon Weihnachten riechen. Eltern und Großeltern des Kindergartens beteiligen sich an den Vorbereitungen: Tannenbäume in kleinen Töpfen werden aufgestellt, an den Wänden werden abgeschlagenen Birkenzweige befestigt und das Spielhaus bekommt anders farbige Tücher. Auf dem Boden flackert ein kleines Lagerfeuer (Holzscheite, Chiffontücher, Lichterkette), im Adventshaus liegen die Requisiten für St. Martin bereit und vor dem Haus stecken in einem Holzklotz mehrere Steckenpferde (abgesägte Besenstiele, gestopfte Socken), die haben die Kinder mit einer Erzieherin selbst gebastelt. Ebenso gehören der teilbare Martinsmantel, ein Holzschwert, ein Bettlerkostüm und ein goldener Reiterhelm zur Ausstattung. Jeden Morgen dürfen je zwei Kinder aus einer Gruppe im Adventshaus spielen.

Die Legende des heiligen Martin wird dann phantasievoll nach gespielt. Der Bettler sitzt in einem abgerissenem Hemd am kleinen Feuer und wartet, dass Martin endlich vorbeikommt. Oft entwickeln sich während des Spielens Fragen: „Hatte St. Martin eine Frau? Warum hat er den Bettler nicht mit in sein warmes Haus genommen?“ Die Kinder verfügen über genügend Eigeninitiative und ändern selbstverständlich die Geschichte ab. Schon wohnt St. Martin mit seiner Frau im Adventshaus und auch der Bettler wird herzlich zu einem warmen Essen (gekocht aus Haselnüssen) eingeladen.

Die Zeit des heiligen Bischof Nikolaus wird mit der Veränderung im Adventshauses eingeläutet. Die Kinder finden eine Mitra, ein weißes Gewand, einen Bischofsstab und einen Jutesack vor. Auch ein kleines Glöckchen ist da und im Flur tummeln sich einige Schafe aus Holz. Es bedarf keiner großen Motivation zum Spielen. Jeder möchte einmal der Bischof Nikolaus sein. Und schon stapft er los. Genau so würdig wie die Kinder ihn zuvor bei ihrer Nikolausfeier erlebt haben. Sie beschenken einander, gehen in die Gruppen und kündigen sich mit kräftigem „bimmeln“ an.Sie verteilen Holztiere, Kleidungsstücke und Schuhe. So wie sie es in der Nikolauslegende gehört haben. Bald schon kommt die kindliche Phantasie zum Einsatz. Das weiße Hemd, welches eigentlich als Unterkleid für den Nikolaus gedacht war, wird kurzerhand einem Kind angezogen. „Jetzt haben wir einen Engel. Der muss den Sack tragen.“ Auch eine Erzieherin wird liebenswürdig vom Nikolaus und seinem Gehilfen beschenkt. Sie bekommt ein Schaffell aus dem Adventshaus: „Damit du nicht frierst.“ Die Kinder genießen sichtlich die Aufmerksamkeit, wenn sie so unangemeldet in den Gruppen umher spazieren. Die Erzieherinnen tragen Sorge dafür, dass alle Kinder einmal in den Genuss dieses besonderen Freispiels gelangen.

Kurz vor Weihnachten werden sich noch einmal die Requisiten im Adventshaus ändern. Dann finden die Kinder einen Korb mit einer Puppe vor. Verkleidung für Maria, Josef, Engel und Hirten.

Wir sind gespannt ...

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